Die Bedürfnis-Checkliste für besonders geforderte Mamas

Gerade besonders geforderte Mütter laufen Gefahr, die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren. Sie neigen dazu, jedem und allem anderen Vorrang zu geben. Doch wer dauerhaft seine Bedürfnisse missachtet, riskiert seine Gesundheit – körperlich wie seelisch. Warum es so wichtig ist, dass du gut für dich sorgst und wie du herausfindest, welche Bedürfnisse bei dir im Alltag zu kurz kommen, darum geht es in diesem Artikel.

Das Gefühl, das alle Mamas kennen

Ausgebrannt.

Vollkommen erschöpft.

Dieses Gefühl kennen die meisten besonders geforderten Mütter. 

Wann es besonders stark auftritt? Bei mir meistens dann, wenn ich nicht gut auf mich und meine Bedürfnisse achte. Weil immer noch so viel anderes erledigt werden muss und die eigenen Bedürfnisse am Ende auf den nächsten Tag verschoben werden.  

Eine Zeit lang geht das gut, aber irgendwann machen uns Körper und Seele klar, dass Bedürfnisse ignorieren keine Lösung ist. Weil wir auf Dauer davon krank werden. 

Darum sind deine Bedürfnisse so wichtig

Unser ganzes Handeln dient vor allem einem Ziel: unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Das können existentielle Voraussetzungen für unser Überleben sein, wie zum Beispiel Atmen, Trinken oder Essen. Ein Bedürfnis kann aber auch etwas sein, das langfristig unsere Gesundheit erhält – die körperliche wie die seelische.

Natürlich fallen wir nicht auf der Stelle tot um, wenn ein Bedürfnis nicht sofort erfüllt wird. Meistens jedenfalls. Wenn wir aber einzelne Bedürfnisse lange Zeit ignorieren oder aufschieben, dann riskieren wir so unser Wohlbefinden und eben häufig auch unsere Gesundheit.

Kein Mensch kann dauerhaft leistungsfähig sein, ohne auf seine Bedürfnisse zu achten. Wir besonders geforderten Mamas laufen im Alltag oft Gefahr, allem anderen Vorrang zu geben, bis wir irgendwann das Gefühl haben auszubrennen.

Damit es nicht so weit kommt, möchte ich dir hier ein paar Hilfestellungen geben, damit du deine Bedürfnisse immer im Blick hast und für dich prüfen kannst, ob du wirklich gut für dich sorgst.

Das Embodiment-Modell

Dieses Modell beschreibt die Wechselwirkung zwischen unserer Umwelt, unserem Körper und unserem Seelenleben. Unsere Umwelt wirkt sich direkt aus auf unseren Körper. Wer dauerhaft Stress und Belastung ausgesetzt ist, riskiert sich völlig zu verausgaben. Wer seinen Körper stärkt und für regelmäßige Regeneration sorgt, kann den Stress und die Belastung wirksam reduzieren.

Unser Körper steht wiederum in direktem Kontakt mit unserer Seele. Ein leidender, kranker Körper kann auch die Seele schwächen – und umgekehrt: Ein gesunder, vitaler Körper wirkt auch im Inneren kräftigend und positiv.

Probiere es einmal aus, und tue deinem Körper etwas Gutes. Du wirst sehen, wie sich das auch auf dein seelisches Wohlbefinden auswirkt. Es sind kleine Schritte wie diese, die dir dabei helfen können, eine Verbindung zu deinen Bedürfnissen aufzubauen.

Bedürfnisse, auf die niemand verzichten kann

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat sich im vergangenen Jahrhundert mit der Frage beschäftigt, was uns Menschen antreibt und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit wir uns entwickeln können.

Er ging von insgesamt fünf Bedürfnisebenen aus, beginnend bei grundlegenden körperlichen Bedürfnissen wie Atmen, Trinken, Essen, Schlaf oder Fortpflanzung. Darauf folgen etwa das Bedürfnis nach Sicherheit, nach einem Dach über dem Kopf oder auch nach Schutz vor Hitze und Kälte. Auf der nächsten Stufe steht unser Wunsch nach Gemeinschaft, nach sozialer Zugehörigkeit, nach Interaktion mit anderen. Ist die gegeben, entsteht das Bedürfnis, wertgeschätzt und anerkannt zu werden, einen sozialen Status zu erlangen. Ist auch dieses Bedürfnis erfüllt, strebt der Mensch nach Selbstverwirklichung, dann will er seine Kreativität und seine Talente entfalten können.

Diese Auflistung der menschlichen Grundbedürfnisse nach Maslow wird oft als eine Pyramide dargestellt. Ganz unten stehen die körperlichen Bedürfnisse, an der Spitze der Drang nach Selbstverwirklichung.

Und nun, du außergewöhnliche Mama, frage ich dich, wie es denn an einem durchschnittlichen Tag so mit deinen Bedürfnissen aussieht. Wie oft drehen sich deine Gedanken um die Entfaltung deiner Talente – und wie oft fragst du dich, wann du endlich einen kurzen Moment nur für dich oder gar eine erholsame Mütze Schlaf bekommst?

Wie steht es um deine Selbstfürsorge?

Ein Bedürfnisschema wie das Maslow’sche spiegelt natürlich nie das echte Leben wider. Ich finde aber, dass es doch eins ganz klar zeigt: Mütter im allgemeinen, speziell aber wir besonders geforderten Mamas kommen schon auf den unteren Ebenen dieser Pyramide ins Straucheln.

Und das erklärt, warum wir uns oft so ausgelaugt, so kraft- und energielos fühlen. Eine Frau, die täglich darum kämpft, ausreichend Schlaf und Ruhe zu bekommen und sich regelmäßig und wenigstens einigermaßen gesund zu ernähren, für die ist ein geselliger Abend mit Freundinnen purer Luxus. Wer sich verzweifelt Freiräume schaffen muss, um mal fünf Minuten nicht nur für andere da zu sein, für den bleiben Begriffe wie Selbstverwirklichung und beruflicher Erfolg Fremdworte.

Die traurige Nachricht: Es wird niemand dafür sorgen, dass deine Bedürfnisse erfüllt werden, weder die ganz grundlegenden noch die “on top”. Niemand außer dir selbst.

Die Bedürfnis-Checkliste

Es ist oft gar nicht so einfach, seine persönlichen Bedürfnisse zu erkennen. Geschweige denn herauszufinden, wie man sie erfüllt. Was brauchst du ganz konkret, damit es dir gut geht? Vor allem wenn es um die Bedürfnisse jenseits von Essen, Trinken und Schlafen geht, wird es oft diffus.

Ich habe daher Fragen formuliert, mit denen du herausfinden kannst, wie es bei dir generell um die Erfüllung deiner Bedürfnisse steht und wo du vielleicht über Veränderungen nachdenken solltest.

Körper und Gesundheit
  • Schläfst du lang genug, und schläfst du gut? Was kannst du an deiner Schlafqualität verbessern? Hilft es dir zum Beispiel, früher ins Bett zu gehen, alleine in einem Raum zu schlafen, dir nächtliche “Einsätze” mit deinem Partner zu teilen etc.?
  • Isst du regelmäßig? Ernährst du dich ausreichend gesund? Hast du das Gefühl, dein Speiseplan wird immer eingeschränkter, weil die Kinder fast alles verweigern? Vielleicht kommen dir Ideen, wie du hier besser für dich sorgen kannst, wenn du dir einmal Zeit nimmst, darüber nachzudenken.
  • Bekommst du genug Bewegung? Kommst du täglich raus? Wie kannst du das fest in deinen Tagesablauf einplanen?
  • Hast du Schmerzen? Hast du genug Raum für dich – das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes? Fühlst du dich eingeengt, blendest du Signale deines Körpers wie Schwindel, Übelkeit, Rückenschmerzen o.ä. aus?
  • Machst du Pausen? Wie kannst du sicherstellen, dass du über den Tag verteilt immer wieder Momente zum Durchschnaufen hast? Wer oder was kann dich dabei unterstützen und entlasten? Weißt du, was dir hilft zu regenerieren?
Seele und Emotionen
  • Fühlst du dich sicher und geborgen? Oder gibt es konkrete Belastungen wie ein drohender Jobverlust, finanzielle Sorgen oder ähnliches? Manchmal fühlen wir uns auch ganz diffus unsicher, weil wir glauben, etwas Schlimmes könnte passieren. Kennst du solche Ängste? Wenn ja, kannst du dir erklären, woher sie kommen? Kannst du sie abmildern, indem du dir vor Augen führst, dass sie keine reale Grundlage haben?
  • Begegnet dir dein persönliches Umfeld mit Respekt und Wertschätzung? Kannst du die sein, die du bist, oder hast du das Gefühl, dich oft verstellen zu müssen?
  • Hast du grundsätzlich das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben? Oder fühlst du dich wie ein Spielball der Zufälle und Unwägbarkeiten?
  • Begegnest du dir wertschätzend und mit Selbstliebe? Oder drehen sich deine Gedanken viel zu oft um alles, was nicht so gut geklappt hast oder wo du eine schlechte Figur gemacht hast? Was kannst du dem bewusst entgegensetzen?
  • Was gibt dir das Gefühl, etwas Sinnvolles, etwas von Bedeutung zu tun? Wie kannst du mehr davon in dein Leben holen? Und umgekehrt: Verbringst du zu viel Zeit mit Dingen oder Tätigkeiten, die dir nichts bedeuten?
Partnerschaft und Familie
  • Lebst du in harmonischen Verhältnissen? Fühlst du dich geborgen und geliebt? Oder leidest du unter regelmäßigem Streit?
  • Bekommst du die körperliche Nähe, die du dir wünschst? 
  • Ist euer familiäres Zusammenleben auf Prinzipien wie Gerechtigkeit und Gleichberechtigung aufgebaut? Wenn nein, wie kannst du deine Beziehung zu Partner und Kinder fairer gestalten?
  • Wie ist dein Verhältnis zu deinen Eltern und deiner Herkunftsfamilie? Bist du mit dem Gefühl aufgewachsen, richtig zu sein, so, wie du bist? Oder hattest du das Gefühl, nur liebenswert zu sein, wenn du etwas leistest? Inwieweit hast du dich von ungünstigen Prägungen durch dein Elternhaus lösen können? Was davon belastet dich heute?
Freunde und äußeres Umfeld
  • Kommst du regelmäßig raus, um Menschen zu sehen, die nicht zu deiner Familie gehören?
  • Kannst du dich auch spontan mit anderen verabreden, oder braucht es im Vorfeld viel Planung und Organisation? Wie kannst du das vereinfachen?
  • Fühlst du dich von anderen anerkannt? Hört man dir zu, bekommst du Zustimmung für das, was du tust und wer du bist? Wenn nein, teilst du die Werte deines Freundeskreises bzw. deines Umfelds? Was könntest du ändern?
  • Worüber definierst du dich selbst? Was an dir macht dich stolz?
Interessen und Lebensziele
  • Hast du Hobbys, für die du brennst?
  • Gibt es etwas, das dich in den Flow kommen lässt?
  • Hast du heimliche Wünsche, die du dir gerne erfüllen würdest? Was hält dich davon ab?
  • Gibt es etwas, das du ausprobieren / lernen / erreichen möchtest? Wenn ja, wie kannst du es angehen? Was wären die ersten Schritte?
  • Worin bist du wirklich gut? Was kannst du tun, um deine Talente zum Ausdruck zu bringen und zu fördern?
  • Bist du in deinem Beruf zufrieden? Möchtest du gerne überhaupt / mehr / weniger arbeiten? Willst du dich beruflich verändern? Wie kannst du das angehen? Wer könnte dich dabei unterstützen? Was brauchst du dafür? Was wäre hier der erste Schritt?

So erkennst du deine Bedürfnisse

Um in Kontakt mit deinen Bedürfnissen zu kommen, braucht es regelmäßige Momente des Innehaltens. Wenn du mit Vollgas durch deinen turbulenten Alltag rast, wirst du nicht sehen können, was dir fehlt.

Wichtig also: Schaffe dir Verschnaufpausen, Momente der Ruhe. Und wenn du das getan hast, dann denke in dieser Zeit bitte nicht über Probleme deiner Kinder nach oder plane den nächsten Wocheneinkauf. Sondern richte deine Aufmerksamkeit bewusst auf dich.

Gehe die Liste oben im einzelnen durch, und denke gründlich nach. Sei aufmerksam, und spüre in dich hinein, wie dein Körper auf die einzelnen Fragen reagiert. Krampft sich dein Magen zusammen, oder machen sich in dir heftige Reaktionen breit? Dann hast du ziemlich sicher einen wunden Punkt entdeckt.

Sei ehrlich zu dir selbst, auch wenn es in manchen Bereichen schwerfällt. Nur so wirst du die Dinge zum Positiven verändern können. Versuche herauszufinden, was zu dir passen könnte. Was tut dir wirklich gut? Und was machst du eher aus Vernunft oder weil andere es von dir erwarten? Sieh auch hier genau hin. Wir blenden so oft unsere wahren Bedürfnisse aus, nur weil wir nicht anecken wollen. Überlege, wie du eine gute Balance schaffst. Sei dir selbst treu.

Auf deine Bedürfnisse zu achten heißt, gut für dich zu sorgen

Das Leben ist ein Langstreckenlauf. Deshalb ist es wichtig, nachhaltig zu planen. Wenn du dir einmal vor Augen führst, welche Bedürfnisse bei dir regelmäßig zu kurz kommen, dann ist das ein erster Schritt. Danach kommt es darauf an, am Ball zu bleiben. Sonst tappst du, schneller als du denkst, wieder in dieselbe Falle.

Mache es dir also zur Angewohnheit, in regelmäßigen Abständen für dich zu klären, ob du deine Bedürfnisse im Blick hast. Es wird immer Zeiten geben, in denen manche Bedürfnisse leiden, das ist normal. Es sollte nur nicht zur dauerhaften Gewohnheit werden. Wenn du merkst, dass du wieder in alte Muster verfällst, dann steige auf die Bremse. 

Als besonders geforderte Mama lastet einiges auf deinen Schultern. Du hast viel zu stemmen und wirst rund um die Uhr beansprucht. Sorge dafür, dass dein Energiespeicher nie ganz geleert ist und regelmäßig aufgefüllt wird. Das erreichst du, indem du auf deine Bedürfnisse achtest. 

Wer seine Bedürfnisse sorgfältig im Blick hat, der denkt weder nur an sich noch macht er es sich bequem. Ganz im Gegenteil: Wer klug mit seinen Kräften haushaltet, der bleibt seinen Liebsten die verlässliche Stütze, auf die sie angewiesen sind. Dein Kind braucht eine gesunde, lebensfrohe Mama.

Sorge gut für dich – dann sorgst du gut für dein Kind!

Noch mehr Bedürfnisse?

Das Thema Bedürfnisse wird dir bei Hand und Seele öfter begegnen. Wenn du das Gefühl hast, dass du hier genauer hinsehen solltest, dann lade dir doch die ausführliche Checkliste herunter, die du im Download-Bereich findest. Außerdem würde mich interessieren, wie du es schaffst, dass deine Bedürfnisse im Alltagstrubel nicht untergehen. Schreibe mir dazu gerne etwas in die Kommentare.

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